Strafzettel für die Liebe

eBook & Taschenbuch

Klappentext

Schon wieder ein Strafzettel? Das war doch reine Schikane!
Die ersten Begegnungen zwischen Violet Parker und Glenn McKenna stehen unter keinem guten Stern. Der smarte Polizeichef von Elkpoint ist genervt von der frechen Parksünderin, Violet hingegen ist sicher, dass „Chief McKotzbrocken“ ihr aus reiner Gemeinheit das Leben schwer macht.
Trotz ihrer anfänglichen Schwierigkeiten kommen die beiden sich jedoch langsam näher, und als Violet dann plötzlich zur Zielscheibe eines Unbekannten wird, ist nicht nur ihr Leben in Gefahr, sondern auch ihr Herz.

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Info

Dieses Buch ist – wie alle anderen Teile der Reihe – in sich abgeschlossen und kann einzeln und ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Leseprobe

Eine Windböe wirbelte buntes Laub in den Flur des alten, viktorianischen Hauses, und rasch drückte Violet Parker die Eingangstür hinter sich zu.

»Ich bin wieder da«, rief sie und warf ihren Schlüsselbund in die Glasschale, die auf einer Kommode neben der Tür stand.

Sie hängte ihre Tasche an die Garderobe, dann zog sie ihre Schuhe aus. Nachdem sie in ihre geliebten Crocs geschlüpft war, führte sie ihr erster Weg ins Wohnzimmer. Dort saß ihr Vater in seinem Rollstuhl und schaute sich ‚Judge Judy‘ im Fernsehen an.

Sie trat zu ihm und küsste ihn auf die Wange. »Hallo Dad. Wie geht es dir heute?«

Edward Parker, ein schlanker Mann Ende sechzig mit weißem Haarkranz, wandte seinen Blick vom Bildschirm ab. »Alles okay, Schatz, wie immer.« Er lächelte, und nur ein genauer Beobachter hätte bemerkt, dass sein Mund auf einer Seite etwas herunter hing. »Aber deine Mom ist nicht so gut drauf.«

»Was ist los?«

»Keine Ahnung. Mir sagt sie ja nichts, damit ich mich nicht aufrege. Maurice ist bei ihr, keine Ahnung, was die beiden aushecken.«

»Dann sollte ich wohl lieber mal nachsehen. Hast du alles, was du brauchst?«

»Ja, ich bin versorgt, geh nur.«

Violet verließ das Wohnzimmer und betrat die gegenüberliegende Küche, wo Harriet Parker, eine zierliche, dunkelblonde Endsechzigerin, gerade dabei war, einen Kuchenteig zu kneten – ein deutliches Indiz dafür, dass sie aufgeregt war.

»Hi Mom.«

»Hallo Liebes.«

Ihre Mutter hielt ihr die Wange hin und wie zuvor ihren Vater begrüßte Violet sie mit einem liebevollen Kuss. Dann wandte sie sich an Maurice Delbonis, der an dem ovalen Esstisch im Erker des angrenzenden Esszimmers saß.

Der dreißigjährige schlanke Mann war wie immer sehr auffällig gekleidet; er trug Skinny Jeans, dazu ein Sweatshirt mit Sternenhimmel-Print in allen Regenbogenfarben. Das dunkelblonde Haar war kunstvoll zerzaust, die Augen mit Mascara und einem dramatischen Lidstrich betont, am rechten Ohr glitzerte ein Diamantstecker.

Sie kannten sich, seit sie vor elf Jahren gemeinsam ein Innenarchitekturstudium an der Portland State University begonnen hatten. Während Maurice inzwischen als selbstständiger Innendesigner arbeitete, hatte Violet ihr Studium nach einem Semester wieder abbrechen müssen, da ihr Vater einen Schlaganfall erlitten hatte. Daraufhin hatte Maurice ihr einen Job bei Berrington Computerworks besorgt, einem kleinen Computerladen, der seinem damaligen Lebensgefährten Oliver Berrington gehörte, mit dem er mittlerweile verheiratet war. Die beiden Männer hatten sich zu guten Freunden der Familie entwickelt, Maurice allerdings war nicht nur wie ein Sohn für die Parkers, sondern auch Violets bester Freund – oder besser gesagt, ihre beste Freundin.

Sie ließ sich auf einen Stuhl neben ihm plumpsen. »Hey Cinderella. Was ist los hier?«

​​ Maurice setzte eine übertrieben unschuldige Miene auf. »Was soll denn los sein?«

»Mom backt - also raus mit der Sprache.«

»Zeig es ihr schon«, seufzte Harriet, ohne ihre Tätigkeit zu unterbrechen, woraufhin Maurice mit einer gezierten Handbewegung auf einen Briefumschlag deutete, der auf dem Tisch lag.

Violet griff danach, nahm den Inhalt heraus und überflog ihn.

»Tante Florence«, sagte sie überrascht. »Handelt es sich um die Tante Florence? Das schwarze Schaf der Familie?«

Ein Schnauben von Harriet war die Antwort. »Um wen den sonst?«

»Sie ist also gestorben, und du sollst nach Idaho kommen, um ihren Nachlass zu regeln«, resümierte Violet. »Wann willst du fahren? Hast du schon bei diesem Anwalt angerufen und einen Termin vereinbart?«

»Ich fahre gar nicht«, brummte ihre Mutter.

»Und wieso nicht? «

»Muss ich dir das wirklich erst erklären?«

»Ich weiß, dass du nicht gut auf sie zu sprechen bist, weil … ja, weshalb eigentlich? Du hast nie erzählt, was zwischen euch vorgefallen ist.«

»Das spielt auch gar keine Rolle.«

Violet stibitzte etwas Kuchenteig aus der Schüssel und leckte sich den Finger ab. »Meinetwegen, dann behalt es eben für dich. Aber du solltest trotzdem zu diesem«, sie warf einen kurzen Blick auf den Briefkopf, »Trent Forsythe nach Elkpoint fahren und schauen, worum es sich bei der Erbschaft handelt, vielleicht ist es ja Geld oder Schmuck.«

»Und wenn es die britischen Kronjuwelen wären – ich will es nicht. Ich werde von dieser Frau keinen Cent annehmen, egal ob sie tot oder lebendig ist.«

»Aber wenn sie etwas von Wert hinterlassen hat, könnten wir eine Pflegerin für Dad bezahlen, damit du ein bisschen entlastet bist.«

»Das versuche ich ihr auch schon seit einer Stunde klarzumachen«, mischte Maurice sich mit resigniertem Tonfall ein. »Doch ich hätte genauso gut gegen die Wand da reden können – sie ist stur wie ein Maulesel.«

Harriet schnaubte erneut. »Von Florence kam noch nie etwas Gutes, das wird sich mit ihrem Tod bestimmt nicht geändert haben.«

»Mom«, versuchte Violet es erneut, »denk bitte noch einmal drüber nach. Es kann doch nichts schaden, wenigstens mit diesem Anwalt zu sprechen. Wenn dir nicht gefällt, was er zu sagen hat, kannst du das Erbe ja ablehnen.«

»Das tue ich jetzt schon, dafür muss ich nicht extra um die halbe Welt reisen.«

»Wir könnten eine kleine Finanzspritze doch wirklich gut gebrauchen«, beharrte Violet und schaute hilfesuchend zu Maurice.

Dieser nickte. »Ja, das sehe ich auch so. Die Physiotherapie für Edward, der Treppenlift, den ihr so gerne einbauen würdet …«

»Das schaffen wir auch so«, wehrte Harriet ab, »und jetzt Schluss mit der Diskussion.« Sie nahm den Brief, zerriss ihn in kleine Stücke und warf ihn in den Mülleimer. »Damit ist das Thema erledigt.«

»Jetzt mach schon.« Gereizt hämmerte Polizeichef Glenn McKenna auf der Computertastatur herum und schlug schließlich mit der Faust gegen das Gehäuse des Monitors. »Das gibt es doch gar nicht. Dämliches Schrottteil.«

Frustriert starrte er auf die Fehlermeldung auf dem Bildschirm, die ihm mitteilte, dass er dreimal ein falsches Passwort eingegeben hätte und sein Zugang nun gesperrt sei.

Oh Mann. So ein verfluchter Mist. Er musste den zentralen Support anrufen. Schon wieder. Seit knapp vier Monaten hatten sie jetzt das neue Computersystem, und ihm war das in dieser kurzen Zeit bereits sechs Mal passiert. Ohne die anderen Schwierigkeiten, die er bei der Bedienung des PCs hatte. Wahrscheinlich lachten die bei der Hotline sich schon schief, sobald sie nur seine Nummer auf dem Display sahen.

Er seufzte. Hätte er die Installation doch bloß nicht abgesegnet. Sie waren vorher schließlich auch wunderbar zurechtgekommen. Aber viele der Behörden, mit denen sie zu tun hatten, ob es nun das Sheriffs Office in Challis war oder gar der Bürgermeister hier in Elkpoint, hatten auf papierlos umgestellt und kommunizierten nur noch auf elektronischem Wege. Außerdem hatten ihn die Kollegen immer wieder bekniet, dass Computer ihnen den Papierkram erleichtern würden, und nachdem der Stadtrat sogar ein gesondertes Budget dafür genehmigt hatte, war er nicht mehr um die Anschaffung herumgekommen.

Resigniert schaltete er den Monitor aus und stand auf. Er würde seinem Stellvertreter Morgan Sheppard eine Notiz hinterlassen. Sollte der die Sache in Ordnung bringen, er hatte keine Lust, sich schon wieder zu blamieren.

Nachdem er seinen Waffengurt umgelegt hatte, befestigte er das Schultermikrofon und stöpselte das Kabel an das Funkgerät in seinem Gurt ein. Anschließend drückte er sich die mitternachtsblaue Schirmmütze mit dem silbernen Polizeiabzeichen auf den Kopf und verließ das Büro.

»Hallo Chief.« David Whitehead, der Officer, der Dienst am Servicedesk hatte, warf seinem Kollegen Trevor Moore, welcher im hinteren Bereich des Raums an einem Schreibtisch saß, einen vielsagenden Blick zu. »Ist alles in Ordnung?«

Glenn unterdrückte ein Schnauben. Obwohl inzwischen vermutlich sowieso alle auf dem Revier wussten, dass er mit dem neuen PC auf Kriegsfuß stand, würde er das ganz gewiss nicht zugeben.

»Ja, sicher. Ich drehe mal eine Runde.«

Mit einem knappen Nicken stapfte er durch die Flügeltür ins Freie. Draußen blieb er stehen, atmete tief durch und sah sich um.

Es war ein gewöhnlicher Spätnachmittag Mitte September und auf der Mainstreet in Elkpoint herrschte das übliche rege Treiben. Touristen bummelten auf der Suche nach Souvenirs an den Schaufenstern der Geschäfte vorbei, Einheimische erledigten ihre Einkäufe. Diverse Fahrzeuge brummten die Hauptstraße entlang, weitere parkten an beiden Straßenrändern. Die Sonne verschwand gerade hinter den Gipfeln der nahe gelegenen White Pine Mountains und tauchte alles in ein goldenes Licht. Die Luft war klar und frisch, vom benachbarten Diner wehte der Duft von Bratfett herüber.

Für einen Moment blieb Glenns Blick an den beiden schwarz-weißen Dodge Durango, die direkt vor der Polizeistation parkten, hängen. Nach kurzem Überlegen entschied er sich, einen kleinen Spaziergang zu machen, setzte seine Sonnenbrille auf und überquerte die Straße.

Gemächlich schlenderte er die Mainstreet hinunter, vorbei am Rathaus, dem Souvenirshop und dem Zeitungsladen, wobei er freundlich die Grüße mehrerer Passanten erwiderte. Vor der Apotheke bückte er sich und befreite einen kleinen Hund, der dort angebunden war und sich komplett in seiner Leine verheddert hatte. Er kraulte den Malteser einen Augenblick hinter den Ohren, dann setzte er seinen Weg fort. Als er vor dem Store in der Ortsmitte ankam, fiel ihm ein blauer Kleinwagen auf, der im Halteverbot parkte und den Hydranten blockierte. Er musterte das Kennzeichen mit der stilisierten Douglasie und schüttelte den Kopf. Oregon – also mal wieder ein Tourist.

Routiniert zückte er seinen Strafzettelblock und begann, das Formular auszufüllen.

»Einen Moment mal«, unterbrach ihn eine helle Frauenstimme Sekunden später, »was soll denn das werden?«

»Ein Ticket«, brummte er, ohne von seinem Block aufzusehen.

»Aber weshalb denn? Ich habe nichts gemacht.«

»Sie stehen im Halteverbot und versperren den Weg zum Hydrant.«

»Was? Wo bitteschön ist hier ein Hydrant?«

Jetzt hob er doch den Kopf und schaute die Frau, die sich kampfeslustig vor ihm aufgebaut hatte, an.

Im Vergleich zu ihm war sie winzig, sie reichte ihm gerade mal bis zur Brust. Wären nicht ihre weiblichen Rundungen gewesen, die sich deutlich unter einem eng anliegenden Pullover abzeichneten, hätte man sie für einen Teenager halten können. Blonde Haarsträhnen umwehten ein zartes Gesicht mit tiefblauen Augen und Sommersprossen auf einer porzellanähnlichen Haut.

Er deutete auf die rote Spitze der Wasserzapfstelle, die etwa zwei Zentimeter aus einem Busch mit blauen Blüten herausschaute. »Dort.«

Sein Gegenüber schnappte nach Luft. »Das soll wohl ein Scherz sein, oder? Das Ding ist ja kaum zu erkennen.«

»Ich scherze nie – zumindest nicht, wenn ich im Dienst bin. Außerdem hängt dort an der Hauswand ein Schild, das unübersehbar ist. Augen auf im Straßenverkehr, kann ich da nur sagen.«

»Augen auf im Straßenverkehr«, äffte die Blondine ihn leise nach, dann verlegte sie sich aufs Bitten. »Nun kommen Sie schon. Ich war doch nur ein paar Minuten im Laden, um nach dem Weg zu fragen, und bin jetzt ganz schnell wieder weg. Können Sie nicht ein Auge zudrücken, Officer …«, sie spähte auf das Namensschild an seiner Brust, »… McKenna.«

»Chief McKenna«, korrigierte er, während er ungerührt den Strafzettel vom Block abriss und hinter den Scheibenwischer des Suzuki SX4 klemmte. »Und nein, kann ich nicht. Wenn ich einmal eine Ausnahme mache, erwarten andere Leute das ebenfalls, und dann tut hier jeder nur noch, was er will. – Einen schönen Tag noch, Ma’am.«

Er wollte sich bereits zum Gehen wenden, da sah er, wie sie mit einer unwirschen Geste das Ticket an sich nahm, es zerknüllte, in ihre Jackentasche steckte und etwas murmelte, das sich wie »Stock aus dem Hintern ziehen« anhörte.

»Na schön«, knurrte er gereizt, »Führerschein und Wagenpapiere.«

»Wie bitte?« Erbost stemmte die junge Frau die Arme in die Hüften. »Das ist ja wohl reine Schikane. Von wegen ‚schützen und dienen‘. Man sollte Ihnen Ihre Marke wegnehmen, Sie unfreundlicher, engstirniger …«

»Vorsicht«, warnte Glenn, »eine Strafanzeige wegen Beleidigung kann teuer werden. – Also, bekomme ich die Papiere, oder wollen wir das Ganze auf dem Revier fortsetzen?«

Schnaubend öffnete die Parksünderin ihren Wagen, beugte sich hinein und kramte in ihrer Tasche, die auf dem Beifahrersitz lag, herum. Dabei rutschte ihr Jeansrock ein ganzes Stück nach oben und erlaubte ihm einen ausgiebigen Blick auf ihre wohlgeformten Beine. Für einen kurzen Moment genoss er den Anblick, dann konzentrierte er sich wieder auf seine dienstlichen Angelegenheiten.

Die Frau hatte die Papiere endlich gefunden und reichte sie ihm.

Beides war ausgestellt auf Violet Parker, Portland, wie er rasch feststellte. Mit geübtem Griff drückte er den Knopf an seinem Schultermikrofon.

»Trevor, ich brauche eine 10-27, 10-28, 10-29, das Kennzeichen lautet Oregon 8 4 3 Echo Charlie Sierra, Violet Parker aus Portland.«

Während er auf die Antwort wartete, ging er einmal um den Suzuki herum, inspizierte das Reifenprofil und schaute durch die Seitenscheibe ins Innere.

»Alles sauber, Chief«, tönte es aus dem Handheld. »Brauchst du Verstärkung?«

»Negativ. Over.«

Glenn wandte sich an Violet, gab ihr die Papiere zurück und nickte. »In Ordnung, Sie können weiterfahren, es liegt nichts gegen Sie vor.«

»Das hätte ich Ihnen gleich sagen können«, erwiderte sie genervt, »aber nein, Sie mussten ja unbedingt ein Fass aufmachen.«

Wortlos hob er eine Augenbraue, woraufhin sie beschwichtigend mit den Händen wedelte.

»Schon gut, schon gut, ich verschwinde, bevor Ihnen noch weitere Bosheiten einfallen, mit denen Sie mich drangsalieren können.«

Mit vor der Brust verschränkten Armen schaute er zu, wie sie in ihr Auto stieg, den Gurt umlegte, den Motor startete und sich rückwärts aus der Parklücke manövrierte. Nach einem letzten, vorwurfsvollen Blick, den sie ihm durch das geöffnete Seitenfenster zuwarf, gab sie Gas und brummte die Mainstreet hinauf.

Glenn sah ihr nach, bis sie in eine Seitenstraße abbog, dann schüttelte er den Kopf und grinste.

So ein kleines, freches Ding. Durch seine Ausbildung und Dienstzeit bei der New Yorker Polizei war er einiges gewohnt, doch üblicherweise begegnete man ihm mit Respekt, vor allem hier in Elkpoint. In dem kleinen Ort mit rund 700 Einwohnern war es seine Aufgabe, für Ruhe und Ordnung zu sorgen – auch wenn das einer Violet Parker nicht gefiel.

Mit einem leisen Seufzen wandte er sich um und betrachtete den Stein des Anstoßes. Okay, der Hydrant war wirklich kaum zu sehen, musste er zugeben. Andererseits hing dort an der Hauswand unübersehbar ein Schild, das auf die Wasserzapfstelle hinwies, und es ging hier schließlich um Sicherheit. Außerdem ließ er sich von niemandem auf der Nase herumtanzen, schon gar nicht von einer Touristin mit übergroßem Mundwerk, egal wie hübsch sie war.

Er schob die Zweige etwas auseinander, machte sich eine mentale Notiz, im Rathaus Bescheid zu geben, dass der Strauch etwas gekürzt werden musste, und setzte seinen Weg fort.

Genervt kurvte Violet die Hauptstraße entlang und hielt Ausschau nach der Straße, in die sie abbiegen musste.

»Chief McKenna«, murmelte sie missmutig. »Chief McKotzbrocken wäre viel passender.«

Meine Güte, hatte dieser blöde Kerl einen Aufriss gemacht, und das nur, weil sie ein paar Minuten vor einem Hydrant gestanden hatte, der kaum zu sehen war. Dabei war der Tag schon stressig genug gewesen.

Um fünf Uhr morgens war sie in Portland losgefahren, hatte knapp zwölf Stunden in ihrem Suzuki gesessen, dessen Klimaanlage nur zwei Temperaturen kannte, nämlich glühend heiß oder eiskalt. Kurz hinter Boise hatte sie dann festgestellt, dass der Akku ihres Handys, welches sie als Navi benutzte, den Geist aufgegeben hatte. Völlig entnervt war sie schließlich hier in Elkpoint eingetroffen, hatte im Store eine Cola getrunken und nach dem Weg gefragt. Alles wäre bestens gewesen, sie hätte ihren Termin um fünf Uhr wahrscheinlich noch rechtzeitig geschafft, wenn Chief McKotzbrocken nicht so eine große Show abgezogen hätte.

Sie passierte das Rathaus, bog dann wie beschrieben nach links in die nächste Seitenstraße ab und fuhr weiter, bis sie das Haus mit der Nummer 21 erreichte. Rasch schnappte sie ihre Handtasche, stieg aus und eilte auf den Eingang zu. Vielleicht hatte sie ja Glück, und es war trotz ihrer Verspätung noch jemand da. Hoffnungsvoll betätigte sie den altmodischen Türklopfer, der unter einem Messingschild mit der Aufschrift ‚Forsythe & Sanders, Rechtsanwälte‘ angebracht war.

Eine ganze Weile rührte sich nichts, und sie wollte sich schon umdrehen und gehen, als schließlich doch noch die Tür geöffnet wurde und eine braunhaarige Frau vor ihr stand.

»Ja?«

»Hi, mein Name ist Violet Parker, ich hatte um fünf einen Termin mit Mr. Forsythe, ich weiß, ich bin spät dran, aber vielleicht wäre es ja möglich, ihn doch noch zu sprechen?«, sprudelte Violet heraus.

Die Brünette lächelte. »Kommen Sie herein, ich schaue nach, ob er Zeit für Sie hat. – Ich bin übrigens Michelle Sanders, Mr. Forsythes Partnerin.«

Violet nickte kurz und folgte ihr dann ins Innere des Hauses, wo es nach Zedernholz und frisch gebackenem Kuchen roch.

Die Anwältin ging zu einer Tür, öffnete sie einen Spalt und steckte den Kopf hinein. »Miss Parker ist hier. Soll ich sie hereinschicken?«

Die Antwort konnte Violet nicht verstehen, doch offenbar war sie positiv, denn Michelle Sanders winkte sie zu sich, drückte die Tür ganz auf und machte eine einladende Geste.

»Bitte, gehen Sie hinein. – Möchten Sie vielleicht etwas trinken?«

»Nein danke.«

Violet betrat den funktional und modern eingerichteten Raum. Hinter einem Schreibtisch mit Glasplatte saß ein blonder Mann Mitte dreißig, der sich jetzt erhob und auf sie zukam.

»Hallo Miss Parker, ich bin Trent Forsythe. Ich dachte schon, Sie hätten den Termin vergessen.«

»Tut mir leid«, entschuldigte sie sich, während sie die dargebotene Hand schüttelte, »es gab unterwegs ein paar kleine Probleme.«

»Schon gut. Es ist ja auch nicht gerade ein Katzensprung von Portland bis hierher. – Nehmen Sie doch Platz.«

Sie setzte sich auf einen der Stühle vor dem Schreibtisch, der Anwalt ließ sich wieder auf seinem Sessel hinter dem Tisch nieder. Er nahm eine Mappe, die seitlich neben dem Computermonitor lag und öffnete sie.

»Wie Sie ja bereits wissen, geht es um den Nachlass von Florence Sandhop. Zunächst einmal möchte ich Ihnen mein herzliches Beileid für Ihren Verlust ausdrücken. Es tut mir sehr leid, dass wir Sie nicht früher informiert haben, aber die Verstorbene hat kein Testament hinterlassen, und es hat eine Weile gedauert, bis wir feststellen konnten, dass Ihre Mutter die nächste lebende Verwandte und somit erbberechtigt ist.«

»Es gibt keine Familie?«

»Nein, Mrs. Sandhop war alleinstehend und kinderlos.«

»Was ist eigentlich passiert?«, wollte Violet wissen. »Ich meine … wie ist sie gestorben? War sie krank? Sie war ja noch nicht so alt.«

Trent Forsythe rieb sich das Kinn. »Es war ein Unfall, sie ist die Treppe hinuntergestürzt und hat sich dabei offenbar das Genick gebrochen. Dr. Lawson, der Arzt hier im Ort, hat sie gefunden, als er nach ihr schauen wollte, weil sie einen Termin nicht eingehalten hat. Er konnte nichts mehr für sie tun.«

»Das ist ja schrecklich«, murmelte Violet betroffen. »Wir hatten zwar keinen Kontakt, aber trotzdem …«

Ihre Stimme erstarb und einen Moment lang war es still im Raum, dann räusperte der Anwalt sich.

»Lassen Sie uns zum Wesentlichen kommen. Bevor ich jedoch ins Detail gehe, benötige ich die beglaubigte Vollmacht, dass Sie, Miss Parker, berechtigt sind, alle mit dem Erbe in Zusammenhang stehenden Dinge zu regeln. Außerdem muss ich Ihre Identität überprüfen.«

Violet nahm ihren Führerschein sowie die Generalvollmacht, die sie ihrer Mutter nach zähem Ringen abgeschwatzt hatte, aus der Tasche, und reichte ihm beides.

Nachdem er alles in Augenschein genommen hatte, legte er die Dokumente nacheinander in das Kombigerät auf dem Beistelltisch, drückte eine Taste, wartete, verstaute dann die erzeugten Fotokopien in dem schmalen Hefter und gab ihr die Originale zurück.

»Danke. – Also, die Hinterlassenschaft Ihrer Tante besteht aus einem Haus mit einem aktuellen Verkehrswert von 57.689 Dollar, sowie einem Bankkonto mit einem Guthaben von«, Trent Forsythe warf einen raschen Blick in die Akte, »467 Dollar und 13 Cent. Das Gesamtvermögen beläuft sich somit auf 58.156 Dollar und 13 Cent.«

»57.000 Dollar?« Violet runzelte die Stirn. »Ist das nicht sehr wenig für ein Haus?«

»Es ist schon älter und leider nicht im besten Zustand. Aber die gute Nachricht ist, dass hier in Idaho keine Erbschaftssteuer erhoben wird. Daher bliebe Ihnen, sofern Sie in Vertretung Ihrer Mutter das Erbe annehmen, der volle Betrag abzüglich der Anwalts- und Bearbeitungsgebühren in Höhe von 1.341 Dollar und 85 Cent. Und natürlich müssten Sie noch die Bestattungskosten zahlen, das sind noch einmal 2.500 Dollar, die Sie bei der Stadtkasse im Rathaus begleichen müssen.«

Rund 54.500 Dollar, überschlug sie rasch im Geiste. Damit ließe sich der dringend benötigte Treppenlift finanzieren, und es blieb noch genug übrig, um für eine ganze Weile die Physiotherapie für ihren Vater sowie eine ambulante Pflegerin zu bezahlen.

»Wenn Sie Bedenken haben, können Sie das Erbe natürlich auch ablehnen«, ergänzte Trent Forsythe. »Sie müssen sich auch nicht gleich entscheiden, vielleicht schlafen Sie einfach ein oder zwei Nächte drüber.«

»Nein«, Violet schüttelte den Kopf, »das ist nicht nötig, ich nehme an. Wie lange wird es dauern, bis alles erledigt ist?«

»Wenn wir jetzt noch alle Unterlagen fertig machen – ein bis zwei Wochen.«

»Geht es nicht schneller? Ich muss so bald wie möglich nach Portland zurück, und möchte vorher noch einen Makler mit dem Verkauf beauftragen.«

»Naja, ich muss morgen früh sowieso zur County-Verwaltung nach Challis, und könnte das Ganze sicher beschleunigen. Wenn ich Glück habe, wird der Grundbucheintrag direkt geändert, dann könnten Sie die neue Besitzurkunde sowie alle übrigen Dokumente morgen Mittag hier abholen.«

Violet strahlte. »Das wäre super.«

»Gut, also legen wir los.«

​​ Nachdem sie verschiedene Dokumente und Formulare ausgefüllt und unterzeichnet hatte, nahm der Anwalt einen Umschlag aus der Mappe, öffnete ihn, holte einen Schlüssel heraus und reichte ihn ihr.

»Falls Sie sich schon mal im Haus umschauen möchten. Es befindet sich in der Madison Street 32, die Adresse steht aber auch in den Papieren. Ich melde mich morgen bei Ihnen, sobald ich die Unterlagen habe, dann können Sie sie abholen.«

»In Ordnung.« Violet erhob sich. »Vielen Dank.«

»Keine Ursache. Falls Sie noch Fragen haben oder irgendetwas benötigen, können Sie mich jederzeit kontaktieren.«

Trent Forsythe war ebenfalls aufgestanden und begleitete sie zur Haustür, wo Violet sich von ihm noch den Weg zu dem Haus erklären ließ. Nachdem sie sich verabschiedet hatte, stieg sie in ihren Wagen und fuhr los. Der Beschreibung des Anwalts folgend bog sie ein paar Mal ab und fand sich schließlich am Ende einer Sackgasse wieder, die in einen Feldweg mündete. Das letzte Haus war die Nummer 32; sie stoppte auf der gegenüberliegenden Seite am Straßenrand und betrachtete skeptisch das Gebäude im Saltbox-Stil.

Es hatte zwei Etagen, eine Verkleidung aus verwittertem, braunen Holz und war von einem verwilderten Garten umgeben. Sämtliche Fenster waren von innen mit einer Art weißer Folie zugeklebt, und das Ganze wirkte irgendwie gespenstisch.

Egal, dachte sie achselzuckend, schließlich hatte sie nicht vor, hier einzuziehen, sondern das Haus zu verkaufen und wieder zu verschwinden.

Nachdem Violet ausgestiegen war, überquerte sie die Straße, öffnete das rostige Gartentor und stapfte durch das beinahe kniehohe Gestrüpp zum Eingang. Sie kramte den Schlüssel aus der Tasche, schloss die Eingangstür auf und drückte dann vorsichtig dagegen. Mit einem Quietschen schwang die Tür nach innen und ein widerlicher Gestank nach Schimmel und Fäule kam ihr entgegen. Der üble Geruch war jedoch nicht das Einzige, was ihr den Atem verschlug, sondern auch der Anblick des länglichen Flurs.

Trotz des drinnen herrschenden Zwielichts war der Krimskrams, der sich an beiden Wänden entlang stapelte, nicht zu übersehen. Kisten, Kartons, Bücher, gefüllte Plastiktüten, Zeitschriften – alles Mögliche war von dem alten Dielenboden bis nahezu unter die Decke aufgetürmt, lediglich die Zugänge zu den seitlich abzweigenden Türen waren frei. In der Mitte befand sich ein schmaler Trampelpfad, der durch all den Plunder zu einer Treppe am Ende des Korridors führte, auf der ebenfalls diverse Stapel alter Zeitungen lagerten.

Entgeistert starrte Violet auf das Durcheinander. Sie wusste nicht, was sie sich vorgestellt hatte, aber das sicher nicht.

Bestimmt sieht es nur hier im Flur so aus, machte sie sich Mut, das ganze Haus konnte unmöglich so zugemüllt sein.

Vorsichtig, um nirgends anzustoßen, schob sie sich vorwärts und öffnete die erste Tür zu ihrer Linken. Dunkelheit gähnte ihr entgegen, also nahm sie ihr Handy heraus, schaltete es auf Taschenlampenbetrieb und ließ den Lichtstrahl durch den Raum wandern. Zu ihrer Enttäuschung sah es hier auch nicht besser aus als in der Diele. Im gegenüberliegenden Zimmer befand sich ebenfalls jede Menge Ramsch, zudem verstärkte sich hier der üble Geruch, sodass sie von der Besichtigung die Nase voll hatte – im wahrsten Sinne des Wortes.

Violet manövrierte sich zur Eingangstür zurück, trat hinaus ins Freie und atmete ein paar Mal tief durch.

Und nun? Eigentlich hatte sie vorhin entschieden, hier im Haus zu übernachten, und morgen nach einem Makler zu suchen, den sie mit dem Verkauf betrauen konnte. Das konnte sie nun vergessen, zumindest den ersten Teil ihres Vorhabens. In diesem Schmutz und Chaos konnte sie unmöglich schlafen, vermutlich wimmelte es da drinnen von Ratten und diversem Krabbelzeug.

Nach kurzem Überlegen stieg sie wieder in ihren Wagen, kurvte zurück zur Hauptstraße und hielt wenig später vor dem Old Inn, einem Bed & Breakfast, das einen gepflegten Eindruck machte.

An der Rezeption wurde sie von einer älteren Frau begrüßt, die sich als die Eigentümerin Dotty Penrose vorstellte.

»Sie haben Glück«, erklärte sie, während sie einen Schlüssel vom Brett nahm, »momentan ist nicht ganz so viel los. Elkpoint ist ein beliebter Ferienort und normalerweise sind wir fast durchgehend ausgebucht.«

Violet füllte den Anmeldebogen aus, danach brachte Mrs. Penrose sie nach oben zu ihrem Zimmer.

»Frühstück gibt es von acht bis zehn, unten in unserem Aufenthaltsraum, die erste Tür rechts nach der Treppe. Falls Sie noch irgendetwas brauchen oder Fragen haben, melden Sie sich einfach. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.«

»In Ordnung, vielen Dank.«

Die Wirtin verschwand und Violet schaute sich um.

Das Zimmer war schlicht, aber gemütlich. Ein Doppelbett mit Gestell aus Hickoryholz, zwei dazu passende Nachtschränkchen. Matratze und Bettzeug wurden von einem Quilt verhüllt, der farblich zu den Vorhängen vor dem Doppelfenster passte. Die Wände waren mit einer hellen, geblümten Tapete verkleidet, auf den Holzdielen lag ein runder Webteppich, darauf standen ein Tisch und ein Sessel. Neben einem Einbauschrank führte eine Tür in das grün geflieste Bad. Dort befand sich eine altmodische Badewanne mit Duschvorhang, sowie ein WC und ein Waschbecken. Dicke, flauschige Handtücher hingen auf den Haltern, in einem schmalen Regal lagen kleine Tuben mit Duschgel, Shampoo, Badeschaum und Körperlotion bereit. Alles war blitzsauber und einladend, sodass Violet spontan ihre Sachen auszog und die Wanne füllte.

Wenig später lag sie im warmen Wasser und seufzte behaglich. Gott, das hatte sie sich nach diesem langen, stressigen Tag wirklich verdient. Mit geschlossenen Augen genoss sie ihr Bad, bis sie beinahe einschlief, dann duschte sie sich noch mal ab, wusch sich die Haare, nahm frische Unterwäsche, eine Yogahose sowie ein sauberes T-Shirt aus ihrer Reisetasche und schlüpfte hinein.

Im Schneidersitz ließ sie sich auf dem Bett nieder, schnappte ihr Handy, das sie vor ihrem Bad noch ans Ladekabel gestöpselt hatte, und wählte die Nummer ihrer Eltern. Es dauerte einen kleinen Augenblick, dann meldete sich ihre Mutter.

»Violet – ich habe schon auf deinen Anruf gewartet.«

»Ich bin gut angekommen«, berichtete sie, »und du wirst es kaum glauben – Tante Florence hat ein Haus hinterlassen. Es ist zwar alt und nur etwa 57.000 Dollar wert, aber immerhin.«

Harriets Stimme kühlte merklich ab. »Schön.«

»Jetzt komm schon Mom, sei nicht so bärbeißig. Abzüglich der Gebühren für den Anwalt und den Beerdigungskosten bleibt uns noch eine hübsche Summe übrig, mit der wir viel anfangen können.«

»Wenn du meinst.«

Violet seufzte. »Jedenfalls hat der Anwalt versprochen, die Sache zu beschleunigen. Sollte alles klappen, kann ich morgen schon einen Makler mit dem Verkauf beauftragen und anschließend nach Portland zurückfahren.«

»Gut, dann pass auf dich auf.«

»Mache ich, Mom. Gib Dad einen Kuss von mir.«

Sie verabschiedeten sich, Violet legte das Handy beiseite, krabbelte unter die dicke Bettdecke und fiel Sekunden später in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen war Violet bereits früh wach. Sie ging gleich um acht Uhr zum Frühstück, anschließend saß sie in ihrem Zimmer und telefonierte mit verschiedenen Maklern in der Umgebung. Schließlich hatte sie Glück und fand einen in Idaho Falls, der bereit war, noch am Vormittag vorbeizukommen. Nachdem sie sich für halb zwölf verabredet hatten, steckte Violet zufrieden ihr Handy weg.

Na also, das lief ja besser als erwartet. Sie würde dem Mann das Haus zeigen, ihn mit dem Verkauf beauftragen, danach in der Anwaltskanzlei die Dokumente abholen und sich anschließend auf den Heimweg machen. Zwar käme sie erst irgendwann in den frühen Morgenstunden zuhause an, aber so sparte sie wenigstens das Geld für eine weitere Übernachtung.

Um sich die Zeit bis zu ihrem Termin zu vertreiben, beschloss sie, das Grab ihrer Tante zu besuchen. Sie hielt kurz am Blumenladen, kaufte einen kleinen Strauß Gerbera und ließ sich dann von ihrem Handy zum Friedhof lotsen.

Der White Pine Cemetery war nicht sehr groß, und so dauerte es nicht lange, bis sie den frisch aufgeschütteten Grabhügel gefunden hatte. Man hatte ein schlichtes Holzkreuz aufgestellt, auf dem lediglich der Name ‚Florence Sandhop‘ aufgemalt war, und obwohl Violet ihre Tante nicht gekannt hatte, schnürte sich ihr Hals zusammen. Sie legte die Blumen ab, verharrte noch einen Moment, wischte sich eine Träne von der Wange und machte sich dann auf den Rückweg.

Pünktlich zur vereinbarten Zeit war sie am Haus, und wartete auf den Makler.

Schließlich fuhr ein dunkelblauer BMW vor und ein Mann Mitte vierzig in einem hellen Sommeranzug stieg aus.

»Violet Parker?«, fragte er, und als sie nickte, gab er ihr die Hand. »Thomas Allbright von Allbright Estates, wir haben miteinander telefoniert.« Er warf einen Blick auf das Haus. »Das ist das Objekt?«

»Ja.«

»Okay, sehen wir es uns an.«

Violet ging voraus, schloss die Tür auf und aktivierte die Taschenlampenfunktion an ihrem Handy. »Die Fenster sind abgeklebt«, erklärte sie entschuldigend, während sie sich einen Weg in das erste Zimmer bahnte.

Der Makler räusperte sich. »Das ist vielleicht auch besser so.«

Seinen Kommentar ignorierend leuchtete sie einmal rundherum, dann wollte sie ihn in den gegenüberliegenden Raum führen, doch er winkte ab.

»Schon gut, ich habe genug gesehen. Um es kurz zu machen: In diesem Zustand ist das Haus unverkäuflich, Sie würden keine 50 Cent dafür bekommen.«

»Was? Aber laut Anwalt ist es über 50.000 Dollar wert.«

»Ja, vielleicht, wenn der ganze Müll beseitigt ist und ein paar kleine Schönheitsreparaturen durchgeführt werden. So wie es jetzt aussieht, ist es ein Fall für die Abrissbirne.«

Scheiße. Violet biss sich auf die Lippe. Das durfte doch nicht wahr sein.

»Und was soll ich nun machen?«

Mr. Allbright zuckte mit den Schultern. »Entweder Sie bringen es auf Vordermann, oder Sie lassen es abreißen und verkaufen dann das Grundstück.«

»Na schön«, Violet versuchte, sich ihre Enttäuschung nicht allzu sehr anmerken zu lassen, »trotzdem vielen Dank für Ihre Mühe.«

»Tut mir leid, dass ich Ihnen nichts Positiveres sagen kann. Wenn Sie wollen, können Sie es natürlich auch gerne noch bei anderen Agenturen versuchen, aber dort werden Sie garantiert auch keine andere Antwort bekommen. – Also dann, einen schönen Tag noch.«

Violet sah zu, wie der Makler in seinen BMW stieg und davon fuhr. Nach kurzem Überlegen schloss sie die Tür wieder ab, setzte sich in ihren Wagen und fuhr zur Anwaltskanzlei.

Nachdem sie geklopft hatte, dauerte es einen Moment, dann öffnete Trent Forsythe persönlich.

»Miss Porter – ich bin gerade aus Challis zurückgekehrt und habe gleich einen Termin. Ist etwas passiert?«

»Allerdings«, platzte sie ohne lange Vorrede heraus, »Sie haben mich angelogen.«

»Wie bitte?«

»Sie sagten, das Haus sei 57.000 Dollar wert. Dabei ist es eine komplett zugemüllte Bruchbude, und der Makler meint, ich bekäme nicht mal 50 Cent dafür.«

»Kommen Sie doch kurz herein.« Trent schob Violet ins Haus und führte sie in sein Büro. »Ich war selbst nie dort«, erklärte er, während er seine Aktentasche auf dem Schreibtisch abstellte und öffnete, »aber der bestellte Gutachter hat einen Verkehrswert von 57.000 Dollar genannt, und darauf verlasse ich mich natürlich.«

»Ist mir auch egal«, erklärte Violet, »ich lehne die Erbschaft ab.«

Der Anwalt schüttelte den Kopf. »Dafür ist es zu spät, wie gesagt war ich vorhin bei der County-Verwaltung, die Grundbucheinträge sind schon geändert.«

»Dann machen Sie das eben wieder rückgängig.«

»Das geht leider nicht, es ist bereits alles eingetragen und beurkundet. Die Papiere habe ich hier«, er zog eine Mappe aus seiner Tasche, »Sie können Sie direkt mitnehmen.«

»Na toll. Das heißt, ich habe diese Messie-Baracke jetzt am Hals, ja?«

»Ist es denn so schlimm?«

Violet schnaubte. »Schlimm ist noch milde ausgedrückt. In allen Räumen türmt sich Plunder und Unrat bis fast unter die Decke, und es stinkt bestialisch.«

»Ich hatte wirklich keine Ahnung ...« Ein lautes Klopfen ertönte, und Trent Forsythe hob entschuldigend die Hände. »Tut mir leid, das ist mein Termin, wir müssen den Rest des Gesprächs verschieben. Wenn Sie morgen um neun …«

»Schon gut«, unterbrach Violet ihn frustriert, »da sich sowieso nichts mehr ändern lässt, können wir uns die Zeit sparen. Geben Sie mir einfach die Papiere, und dann sind Sie mich los.«

Der Anwalt reichte ihr die Dokumente, sie nahm sie, ohne einen Blick darauf zu werfen, und stapfte zur Tür. Trent Forsythe folgte ihr durch den Flur, öffnete die Haustür, ließ seinen Mandanten herein und verabschiedete sich von ihr.

»Wenn ich noch irgendetwas für Sie tun kann, melden Sie sich bitte.«

»Das wird wohl nicht nötig sein, aber danke.«

Violet überquerte die Straße, stieg in ihren Wagen, warf Tasche und Papiere auf den Beifahrersitz und legte die Stirn aufs Lenkrad. Tolle Wurst. So hatte sie sich das alles nicht vorgestellt. Und nun?

Nachdem sie eine Weile reglos im Auto gesessen hatte, beschloss Violet, erst einmal einen Kaffee trinken zu gehen und dann in Ruhe zu überlegen, was sie jetzt tun sollte.

Sie startete den Motor, rollte langsam die Straße entlang, bis sie auf die Mainstreet kam, dort bog sie nach rechts ab und hielt Ausschau nach einem Parkplatz. Genau vor dem Eingang des Rathauses entdeckte sie eine breite Parklücke und stellte den Wagen dort ab.

Sie überquerte die Straße, steuerte auf das Diner zu und saß wenig später an einem der Fenstertische. Die aromatischen Düfte, die durch das im Stil der Fünfzigerjahre eingerichtete Restaurant zogen, ließen ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen, und so bestellte sie nicht nur einen Kaffee, sondern auch einen doppelten Cheeseburger.

Während sie auf das Essen wartete, nahm sie ihr Handy heraus und wollte zunächst ihre Mutter anrufen, überlegte es sich dann jedoch anders und tippte auf die Nummer von Maurice.

»Hey Süße«, meldete er sich nach wenigen Sekunden, »alles klar bei dir?«

»Nicht wirklich. Ich habe ziemlichen Mist gebaut.«

»Was ist passiert?«

Violet erzählte ihm kurz von der Erbschaft und dem Gespräch mit dem Makler. »Also habe ich jetzt nicht nur ein Haus am Bein, das einer Müllkippe gleicht und keine 50 Cent wert ist«, schloss sie dann ihren Bericht, »sondern auch noch zusätzliche Unkosten für den Anwalt und die Bestattung.«

»Da war also dein Mundwerk mal wieder schneller als dein Kopf. Vielleicht hättest du dir das Haus anschauen sollen, bevor du die Papiere unterzeichnest.«

»Es sah alles so einfach aus«, erklärte sie unglücklich, »und als ich die Summe hörte, dachte ich an Dad, und was wir alles mit dem Geld machen könnten.«

»Ich habe dir schon oft gesagt, dass dich deine Impulsivität eines Tages in Schwierigkeiten bringen wird.«

​​ »Das ist jetzt sehr hilfreich. Wie ich soll ich das bloß Mom beibringen? Sie war doch sowieso gegen diese ganze Sache, wenn sie jetzt erfährt, was passiert ist, wird sie ausflippen. Viertausend Dollar aus dem Fenster geworfen für nichts.«

Einen Augenblick war es still in der Leitung.

»Wie wäre es, wenn du das Haus soweit herrichtest, dass es verkauft werden kann?«, schlug Maurice dann vor.

»Hattest du heute Clown zum Frühstück?«, fragte Violet entgeistert. »Wie stellst du dir das denn vor? So eine Entrümpelung ist teuer, das kann ich nicht bezahlen. Ich müsste das also selbst in die Hand nehmen, aber das würde ein paar Wochen dauern. Und ich müsste trotzdem noch einiges investieren, für Müllcontainer und jemanden, der mir mit den großen Teilen hilft, zum Beispiel. Außerdem ist es gar nicht sicher, dass ich das Haus danach tatsächlich loswerde.«

»Du solltest es wenigstens versuchen. Wenn du es behältst, entstehen Kosten, die dich zusätzlich belasten.«

Verdammt. Daran hatte sie noch gar nicht gedacht. Das ging auf gar keinen Fall. Sie kam mit ihrem Verdienst gerade so über die Runden, und das auch nur, weil sie bei ihren Eltern wohnte und sich kaum etwas gönnte. Jeden Cent, den sie übrig hatte, verwendete sie für die ärztliche Behandlung ihres Vaters – zusätzliche Ausgaben konnte sie sich nicht leisten.

»So ein Mist«, stöhnte sie genervt, »da habe ich mir ja was eingebrockt.«

»Allerdings. Du hast also gar keine andere Wahl, als das Haus auf Vordermann zu bringen.«

»Aber wie soll das gehen? Ich kann doch nicht einfach hierbleiben. Mom braucht Hilfe mit Dad, Oliver rechnet damit, dass ich spätestens Montag wieder zurück bin, und abgesehen davon habe ich gerade mal Klamotten für zwei Tage dabei.«

»Das ist doch alles kein Problem. Oliver kannst du mir überlassen, ich rede mit ihm, und um deine Eltern brauchst du dir auch keine Sorgen zu machen, wir kümmern uns um sie. Und Kleidung kann ich dir schicken, ich packe alles, was du brauchst, in einen Koffer und versende ihn heute noch per Express, dann ist er spätestens übermorgen da.«

Unsicher nagte Violet an ihrer Unterlippe. »Ich weiß nicht …«

»Komm schon, Süße – du bist doch sonst auch immer so tatendurstig. Denk an das Geld! Selbst wenn du ein bisschen investieren musst, bleibt immer noch genug übrig, womit du etwas Gutes für deine Eltern tun kannst.«

»Ja«, Violet seufzte, »du hast recht. Ich bleibe hier und sehe zu, dass ich diese Bude irgendwie loswerde.«

Nachdem Violet sich von Maurice verabschiedet hatte, machte sie sich hungrig über den Burger her, den die Bedienung ihr zwischenzeitlich gebracht hatte. Anschließend trank sie ein paar Schlucke Kaffee, dann nahm sie erneut ihr Smartphone zur Hand und wählte die Nummer von Oliver.

»Maurice hat mir schon erzählt, was los ist«, sagte er, nachdem sie sich kurz begrüßt hatten. »Wie lange wirst du wegbleiben?«

»Schwer zu sagen. Ich werde mich natürlich beeilen, allein schon wegen meiner Eltern, aber es kann eine Weile dauern.«

»Okay, bleib solange es nötig ist. Länger als für deine zwei Wochen Resturlaub kann ich dir aber kein Gehalt zahlen.«

Violet unterdrückte ein Seufzen. Im Vergleich zu den Filialen der Ladenketten von Best Buy oder CompUSA war Olivers Computergeschäft relativ klein, und sie wusste, dass es trotz der fachmännischen Beratung, die sie den Kunden boten, nicht viel Gewinn abwarf. Trotzdem hatte Oliver sie in all den Jahren beschäftigt und anständig bezahlt, sodass sie ihm keinen Vorwurf machen konnte.

»Kein Problem«, sagte sie daher, »ich bin mit unbezahltem Urlaub schon vollauf zufrieden.«

»Gut. Wie gesagt, du kannst dir die Zeit nehmen, die du brauchst, und wegen deiner Eltern musst du dir auch keine Gedanken machen, Maurice und ich schaukeln das schon.«

»Das ist lieb, ich danke dir.«

Sie sprachen noch einen Augenblick über ​​ geschäftliche Dinge, dann verabschiedeten sie sich, und Violet tippte auf den Adressbucheintrag ihrer Eltern.

Während die Verbindung hergestellt wurde, atmete sie ein paar Mal tief durch und wappnete sich für das bevorstehende Gespräch.

»Hi Mom«, begrüßte sie ihre Mutter, nachdem diese sich gemeldet hatte, »ich bin es.«

»Violet – ist etwas passiert? Ich dachte, du fährst heute nach Portland zurück.«

»Ja, das hatte ich vor, aber die Dinge haben sich dummerweise etwas anders entwickelt.«

In Kurzform berichtete Violet, was sich zugetragen hatte, und als sie fertig war, stieß Harriet ein empörtes Schnauben aus.

»Wusste ich doch, dass an der Sache ein Haken ist. Von Florence kam noch nie etwas Gutes. Jetzt haben wir diese Bruchbude am Hals und können zusehen, wie wir sie wieder loskriegen.«

»Das klingt jetzt alles schlimmer, als es tatsächlich ist«, beschwichtigte Violet ihre Mutter, und kreuzte ob dieser Lüge Mittel- und Zeigefinger. »Ich entsorge den ganzen Plunder, lasse vielleicht noch ein paar kleine Ausbesserungsarbeiten machen, und dann steht einem Verkauf nichts mehr im Weg.«

»Also willst du zusätzlich zu den anderen Unkosten noch weiteres Geld investieren?«

»Es bleibt mir ja nichts anderes übrig.«

»Tja, ich habe gesagt, wir lassen die Finger davon, aber du wolltest ja nicht auf mich hören.« Harriet seufzte. »Aber das ist nun auch egal, es ist jetzt sowieso nicht mehr zu ändern. – Wie lange wirst du bleiben?«

»Keine Ahnung. Zwei Wochen, vielleicht auch drei. Denkst du, ihr kommt so lange ohne mich zurecht?«

»Natürlich.«

»Ich habe mit Maurice gesprochen, er und Oliver werden sich ein bisschen um euch kümmern, solange ich weg bin.«

»Das ist doch gar nicht nötig«, betonte Harriet noch einmal, »wir schaffen das schon. Ich mache mir mehr Gedanken darüber, wie du diese ganzen Arbeiten auf die Reihe kriegen willst. Es müssen doch bestimmt auch schwere Sachen ausgeräumt werden, Möbel oder so, das kannst du nicht alleine machen.«

»Darüber mache ich mir Gedanken, wenn es so weit ist. Ich fange mit dem Kleinkram an, und dann sehe ich weiter, es wird sich bestimmt eine Lösung finden.«

Während Violet sich weiter mit ihrer Mutter unterhielt, nippte sie an ihrem Kaffee und ließ ihren Blick aus dem Fenster schweifen. Plötzlich schob sich ein Mann in dunkelblauer Uniform in ihr Sichtfeld, der die Straße überquerte und genau vor ihrem Suzuki stehenblieb.

»Scheiße.«

»Was?«

»Mom, ich muss Schluss machen«, sprudelte sie heraus, »ich melde mich wieder.«

Sie drückte das Gespräch weg, sprang auf, schnappte ihre Tasche und eilte zum Ausgang, wurde jedoch von der Bedienung gestoppt.

»Hey, Moment mal, Sie haben noch nicht bezahlt.«

Verdammt. Hektisch kramte sie ihre Geldbörse heraus, reichte der Serviererin mit einer gemurmelten Entschuldigung einen Zehndollarschein und stürzte aus dem Diner.

Natürlich, schoss es ihr durch den Kopf, während sie über die Straße preschte. Chief McKotzbrocken. Ausgerechnet.

»Was habe ich denn jetzt schon wieder verbrochen?«, fragte sie atemlos, als sie bei ihm anlangte. »Hier ist auf jeden Fall kein Hydrant.«

»Nein, aber ein Behindertenparkplatz«, brummte er, ohne seinen Blick von dem Strafzettelblock abzuwenden, auf dem er eifrig herumkritzelte.

»Was? Das soll wohl ein Witz sein? Die Markierung auf dem Boden ist ja kaum zu erkennen.«

Ungerührt deutete der Chief auf einen Mast mit dem entsprechenden Hinweisschild, der auf dem Gehsteig genau vor der Parkbucht angebracht war. »Da ist ein Schild – deutlich sichtbar.«

Violet biss sich auf die Lippe. Mist. Mist. Mist. Das hatte sie vor lauter Aufregung total übersehen. Und dieses Mal würde sie nicht so billig davonkommen. Das widerrechtliche Parken auf einem Behindertenparkplatz wurde streng geahndet, da würden mindestens 250 Dollar fällig werden.

»Es tut mir leid«, erklärte sie zerknirscht, »ich war mit meinem Gedanken woanders und habe das Schild nicht gesehen. Können wir die Sache nicht einfach vergessen? Es ist doch niemandem ein Schaden entstanden, und ich fahre auch sofort weg.«

Sie schenkte ihm ein Lächeln, das Maurice immer als ihr ‚süßes Kleinmädchenlächeln‘ bezeichnete und klimperte hoffnungsvoll mit den Wimpern. Allerdings ließ sich der Polizist davon nicht beeindrucken, sondern riss das Ticket ab und hielt es ihr hin.

»Ich habe Ihnen doch bereits erklärt, dass es bei mir keine Ausnahmen gibt.«

Natürlich. Warum hatte sie es überhaupt versucht? Ihr hätte doch klar sein müssen, dass Chief McKotzbrocken niemals ein Auge zudrücken würde. Dieser Kerl war so engstirnig und stur wie ein Maulesel.

Verärgert riss sie ihm den Strafzettel aus der Hand. »Vielen Dank auch, ich hoffe, Sie ersticken irgendwann an Ihrer Herzlosigkeit.«

Ohne ihn noch eines weiteren Blickes zu würdigen, schloss sie ihr Auto auf, ließ sich auf den Fahrersitz fallen, legte den Gurt um und startete den Motor. Nachdem sie sich aus der Parklücke manövriert hatte, rollte sie die Mainstreet hinunter und schlug dabei frustriert mit der Hand aufs Lenkrad.

Diese ganze Sache hier stand unter keinem guten Stern. Erst die Pleite mit der zugemüllten Rumpelbude, und dann auch noch dieser unmögliche Chief, der es offenbar auf sie abgesehen hatte. Seit wann ging ein Polizeichef überhaupt auf Streife? Sollte der nicht eigentlich hinter seinem Schreibtisch sitzen und sich um wichtigere Dinge kümmern, als Parksündern nachzujagen?

Sie seufzte. Wie auch immer, künftig musste sie etwas besser aufpassen, sonst würde der gesamte Erlös aus dem Hausverkauf für Strafzettel draufgehen.

Strafzettel für die Liebe

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Coverdesign: Marina Schuster

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