Küss mich, Santa

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Inhalt

Sienna O’Reilly lässt sich auf der Firmenweihnachtsfeier von einem unliebsamen Kollegen zu einem Wetttrinken provozieren. Völlig betrunken flirtet sie heftig mit Santa Claus und strippt anschließend auf einem Tisch – bis zum völligen Blackout. Als sie am anderen Morgen in einem Hotelzimmer erwacht, findet sie zu ihrem Entsetzen nicht nur ihre Kleidung, sondern auch Santas Jacke vor dem Bett. Zu allem Überfluss wird sie am nächsten Arbeitstag auch noch zu Grayson Sterling bestellt, dem attraktiven Firmenboss, der von ihrem Benehmen offensichtlich nicht gerade begeistert ist …

Formate: Ebook € 2,99 -Taschenbuch (Amazon) € 8,00

Leseprobe

1

Gelangweilt knabberte Sienna O'Reilly an einem Zimt-Haselnuss-Plätzchen, während sie einen unauffälligen Blick auf ihre Armbanduhr warf. Sie seufzte. Es war gerade mal acht Uhr und sie hatte jetzt schon keine Lust mehr. Doch es war noch zu früh, um die alljährliche Weihnachtsfeier, zu der die wichtigsten Kunden der Sterling Technologies eingeladen waren, zu verlassen. Bevor Santa Claus nicht seine Geschenke verteilt hatte, war es unmöglich, zu verschwinden. Außerdem wurde von den Mitarbeitern der Kundenbetreuung erwartet, dass sie vollzählig anwesend waren.

Nachdem sie einige der Kunden, die sie persönlich kannte, begrüßt hatte, ließ Sienna sich an einem der Tische nieder und schaute sich in dem festlich dekorierten Saal des Sterling Buildings um.

Lange Girlanden aus Tannenzweigen hingen an den Wänden und an der Decke. Daran waren unzählige glitzernde Kugeln, Sterne und sonstiger Weihnachtsschmuck befestigt, und natürlich fehlten auch die obligatorischen Mistelzweige nicht. Die Tische waren mit bunten Lichterketten geschmückt, dazwischen standen überall liebevoll angerichtete Teller mit Plätzchen und Lebkuchen. Hinten im Raum war ein Podest aufgebaut, welches als kleine Bühne diente, auf der später Santa Claus seine Geschenke verteilen würde. Daneben prangte ein riesiger Weihnachtsbaum, der ebenso festlich herausgeputzt war wie der Rest des Saals.

Man hatte sich sehr viel Mühe gegeben, doch trotzdem fühlte Sienna sich nicht wohl. Sie liebte Weihnachten, diese offiziellen Anlässe waren ihr jedoch ein Gräuel. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie diesen Freitagabend lieber zu Hause mit einem Buch verbracht, sie hasste diese aufgesetzte Fröhlichkeit wie die Pest. Alle gaben sich zuvorkommend und nett, dabei hätten die meisten Kollegen sich nichts mehr gewünscht, als dass der unliebsame Konkurrent vom Schreibtisch gegenüber an einem Häppchen vom Büffet ersticken würde.

So auch Vincent Burke, der Mann, mit dem sie sich seit zwei Jahren das Büro teilte, und der keine Gelegenheit ausließ, ihr das Leben bei der Softwarefirma zu verleiden.

»Sienna«, tönte er jetzt lautstark, »willst du dich den ganzen Abend an deinem Wasser festhalten? Naja, kleine Mädchen wie du vertragen vermutlich nichts Stärkeres.«

Die umsitzenden Kollegen lachten und Sienna hätte Vincent am liebsten ihr Getränk ins Gesicht geschüttet.

»Im Gegensatz zu gewissen anderen Leuten muss ich nicht beweisen, was ich in der Hose habe«, gab sie stattdessen bissig zurück, was ihr die anerkennenden Blicke einiger Mitarbeiterinnen einbrachte.

Vincent Burke, 46 Jahre und ledig, war als Schürzenjäger bekannt. Es gab keine Frau in der Firma, bei der er sein Glück nicht bereits versucht hätte, Sienna eingeschlossen. Anfangs, als sie neu in die Kundenbetreuung gekommen war, hatten sie sich ganz gut verstanden. Bis zu dem Tag, als er ihr an den Hintern gegrapscht hatte. Sie hatte sich revanchiert, indem sie ihm das Knie in seine Kronjuwelen rammte. Seitdem war er seltsamerweise nicht mehr so gut auf sie zu sprechen.

Wenn sie den Job hier nicht so dringend bräuchte, hätte sie schon längst gekündigt. Aber sie finanzierte ihrer jüngeren Schwester Allison das Studium, weil ihre Eltern es sich nicht leisten konnten, und das Apartment, welches sie gemeinsam bewohnten, war auch nicht gerade billig. Sterling Technologies zahlte gut, und Sienna hatte sich im Laufe der Jahre von der einfachen Bürobotin zur Kundenbetreuerin hochgearbeitet. Für eine ungelernte Kraft ohne Ausbildung verdiente sie fürstlich, und das würde sie wegen eines Idioten wie Vincent nicht aufs Spiel setzen.

Trotzig stand sie auf, ging an die Bar und ließ sich einen Mai Tai geben. Damit kehrte sie an den Tisch zurück, schaute Vincent herausfordernd an, nahm einen großen Schluck und stellte fest, dass der Barkeeper es mit dem Rum sehr gut gemeint hatte. Der ungewohnte Alkohol brannte in ihrer Kehle, sie verschluckte sich und fing an, zu husten. Vincent grinste und prostete ihr demonstrativ zu. Mit Todesverachtung im Blick kippte sie den restlichen Inhalt ihres Glases auf einmal herunter.

Sie spürte, wie ihr schlagartig warm wurde, und wusste, dass sie das besser nicht getan hätte. Doch als Vincent kurz darauf mit neuen Cocktails von der Bar zurückkehrte und einen davon vor sie hinschob, lächelte sie nur und stieß betont lässig mit ihm an. Und wenn der Kater morgen auch noch so schlimm wäre, sie würde ihm nicht die Genugtuung bieten, dass sie jetzt das Handtuch warf.

Zwei weitere Mai Tais später fühlte sie sich so entspannt und beschwingt wie schon lange nicht mehr, und allmählich fing diese öde Weihnachtsfeier sogar an, ihr Spaß zu machen.

Bob aus der Personalabteilung forderte sie zum Tanzen auf, und ausgelassen wirbelte sie mit ihm durch den kleinen Nebenraum, der als Tanzfläche diente. Als sie wieder zu ihrem Platz zurückkehrte, war ihr ein bisschen schwindlig, aber das tat ihrer guten Laune keinen Abbruch.

»Hey Sienna, hast du etwa bereits Schlagseite?«, frotzelte Vincent, als er ihre geröteten Wangen bemerkte. »Sieht so aus, als wären die Drinks doch etwas zu hart für dich.«

»Irrtum Baby«, konterte sie mit einem unschuldigen Augenaufschlag, »es kann mir gar nicht hart genug sein.«

Während alle um sie herum lauthals grölten, fragte sie sich einen Moment, welcher Teufel sie ritt, solch zweideutige Bemerkungen zu machen. Aber Vincents dämliches Gesicht ließ sie diesen Gedanken gleich wieder vergessen, und sie kicherte leise vor sich hin.

Sienna amüsierte sich immer besser, und als schließlich Santa Claus angekündigt wurde, hatte ihre Stimmung den Höhepunkt erreicht.

Mit ungewöhnlich schwerelosem Kopf verfolgte sie die Zeremonie der Geschenkverteilung.

Es war üblich, dass jedes Jahr ein anderer Mitarbeiter die Rolle des Santa Claus übernahm. Santas wahre Identität unterlag strengster Geheimhaltung, sodass niemand wusste, wer sich unter dem Kostüm verbarg. Außerdem war es Tradition, dass die männlichen Gäste stets laut »Küsschen, Küsschen« skandierten, wenn eine der Mitarbeiterinnen ihr Geschenk bekam. Die Damen machten gute Miene zum bösen Spiel. Sie drückten dem jeweiligen Santa einen kurzen Kuss auf die Wange und beteten, dass sich am nächsten Tag nicht herausstellte, dass es der pickelige Bürobote gewesen war.

Sienna schloss sich den Männern an. Sie stieg auf ihren Stuhl und fiel jedes Mal lautstark in den »Küsschen«-Chor ein, bis sie irgendwann selbst an der Reihe war.

Miss Abbott, eine ältliche Jungfer mit Hornbrille und strengem Dutt, die das Vorzimmer des Chefs hütete, hatte wie immer die Aufgabe der Elfe übernommen. In einem grünen Kostüm, welches stark an Robin Hood erinnerte, stand sie neben Santa und rief die jeweiligen Kandidaten auf.

»Sienna O'Reilly«, ertönte es nun, und auf wackeligen Beinen schwankte Sienna nach vorne.

Im Laufen riss sie einen der Mistelzweige ab, und als sie am Podest angekommen war, begrüßte sie Santa mit einem lockenden »Küsschen, Küsschen«. Dabei fiel sie ihm fast vor die Füße, als sich die Absätze ihrer High Heels im Kabel von Miss Abbotts altertümlichem Mikrofon verfingen und sie ins Stolpern kam.

Zwei kräftige Hände hielten sie fest und verhinderten das Schlimmste, und mit einem überraschten »Ups« ließ sie sich gegen Santas breite Brust sinken. Er stellte sie vorsichtig auf ihre Beine und setzte sich wieder hin.

Da Santa selbst niemals sprach, begann Miss Abbott nun mit der üblichen Prozedur.

»Nun, Sienna O'Reilly«, fragte sie streng, »hast du denn ein Gedicht für Santa mitgebracht?«

Sienna runzelte die Stirn und überlegte angestrengt. »Nein«, erklärte sie dann mit einem strahlenden Lächeln, »aber wie wäre es mit einem Küsschen?«

»Küsschen, Küsschen«, erklang es sofort vielstimmig aus dem Saal, und mit gespitzten Lippen kletterte Sienna auf Santas Schoß. Sie schlang ihm die Arme um den Hals und nahm den Duft eines herben Aftershaves, vermischt mit einem leichten Geruch nach Mottenkugeln, wahr. Mit dem Mistelzweig über seinem Kopf wedelnd schob sie ihre Nase in seinen Bart und schnupperte an ihm.

»Hm, du riechst gut«, flüsterte sie hingerissen, »küss mich, Santa.«

***

Grayson H. Sterling hasste Weihnachten, er hasste Weihnachtsfeiern, und diese hier versprach ein ganz besonderer Albtraum zu werden. Angefangen hatte es damit, dass die Santa-Box dieses Jahr leer gewesen war. In jene bewusste Box warfen die männlichen Mitarbeiter, die bereit waren, die Rolle des Santa zu übernehmen, einen Zettel mit ihrem Namen, doch dieses Mal hatte offenbar niemand Lust dazu gehabt. Daraufhin hatte Gray zunächst mit dem Gedanken gespielt, die Verteilung der Geschenke einfach Miss Abbott zu überlassen. Doch diese hatte ihn mit strenger Miene daran erinnert, dass Santas Auftritt Tradition war, und so hatte er sich übellaunig selbst in das kratzige, nach Mottenpulver riechende Kostüm gezwängt.

Und nun saß er hier, mit einer atemberaubenden Frau auf seinem Schoß, die ihn küssen wollte, und hatte alle Mühe, seine aufsteigende Erregung zu unterdrücken.

»Sie sollten das lieber nicht tun«, warnte er so leise, dass nur sie es hören konnte.

»Ach bitte Santa«, raunte sie ungeachtet seiner Mahnung verführerisch, »küss mich.«

Unter den begeisterten Anfeuerungsrufen des Publikums legte sie ihren Mund auf seinen und kitzelte seine Lippen leicht mit der Zungenspitze. Sämtliches Blut schoss lawinenartig in seinen Unterleib, und hilflos krallte er seine Hand, die er notgedrungen um ihre Taille gelegt hatte, in den Stoff ihrer Kostümjacke.

»Nun Sienna, warst du denn brav?«, versuchte Miss Abbott jetzt zu Grays Erleichterung, die Situation zu entschärfen.

»Oh ja, ich bin immer brav«, kicherte Sienna. Sie drückte sich etwas dichter an ihn und hauchte ihm mit verführerischer Stimme ins Ohr: »Manchmal bin ich aber auch ein böses Mädchen – möchtest du mich vielleicht übers Knie legen? Ich habe es verdient.«

Augenblicklich schlug seine Fantasie wilde Kapriolen und ein leises, gequältes Stöhnen entrang sich seiner Kehle. Hektisch versuchte er, sie von sich herunterzuschieben, jedoch lediglich mit dem Erfolg, dass ihr Rock dabei nach oben rutschte und der spitzenbesetzte Rand ihrer schwarzen Seidenstrümpfe zum Vorschein kam.

Schweiß brach ihm aus und er betete, dass sie zu sehr alkoholisiert war, um zu bemerken, was in der Hose seines Kostüms vor sich ging.

Hilflos schaute er Miss Abbott an, die sofort beschloss, dem Geschehen ein Ende zu machen. Energisch zog sie Sienna von ihm herunter und reichte ihr das kleine Geschenkpäckchen, während er hastig den Saum seiner Jacke über die verräterische Wölbung seines Beinkleids zog.

»Vielen Dank«, Sienna vollführte einen etwas misslungenen Knicks, wobei sie ihm unbeabsichtigt einen großzügigen Blick in ihr Dekolleté gewährte, »und schöne Weihnachten, Santa.«

»Ja«, ächzte Gray kaum hörbar in seinen Bart, »schöne Weihnachten.«

***

Begleitet vom Applaus der Zuschauer verließ Sienna die provisorische Bühne. Die Verteilung der Geschenke wurde fortgesetzt und ziemlich benebelt schwankte sie wieder zu ihrem Platz. Nachdem sie einen großen Schluck aus ihrem Glas getrunken hatte, lockten sie die Klänge von ‚Last Christmas‘ in den Nebenraum, wo sie selbstvergessen anfing, zu tanzen.

Nach und nach versammelten sich einige Kollegen um sie herum, unter ihnen auch Vincent. Sie klatschten und feuerten sie an, sodass sie schließlich auf einen der Tische kletterte und dort weitertanzte. Als ihre Schritte wackeliger wurden, kickte sie ihre High Heels von sich. Jemand reichte ihr einen Drink, sie leerte ihn auf einen Zug und spürte, wie ihr plötzlich heiß wurde.

Ungeniert hob sie ihren Rock und rollte ihre Seidenstrümpfe herunter, schwang sie über ihrem Kopf und warf sie dann in die johlende Menge. Immer mehr Männer kamen hinzu, versammelten sich rund um ihre improvisierte Bühne und stachelten sie weiter an.

»Ausziehen, ausziehen«, wurden jetzt die ersten Stimmen laut, und Sienna war inzwischen so im Rausch, dass sie lächelnd der Aufforderung nachkam.

Sie zog die Jacke ihres Kostüms aus und ließ sie mit einem sinnlichen Lächeln fallen. Danach verrenkte sie sich, um den Reißverschluss der Bluse zu erreichen, der sich auf dem Rücken befand. Aufreizend langsam zog sie ihn nach unten. Dabei geriet sie jedoch irgendwie aus dem Takt, verlor das Gleichgewicht, und während der Stoff bereits über ihre Schultern zu rutschen begann, kippte sie vom Tisch. Sie spürte noch, wie zwei muskulöse Arme sie auffingen, dann wurde alles dunkel.

***

Aus dem Augenwinkel hatte Gray verfolgt, wie Sienna den Nebenraum betrat. Als sich wenig später laute »Ausziehen«-Rufe in die Musik mischten, sprang er auf. Er befahl Miss Abbott, die letzten Päckchen zu überreichen, und stürmte, von einer bösen Vorahnung getrieben, mit langen Schritten nach nebenan.

Das Bild, welches sich ihm dort bot, ließ ihn beinahe die Fassung verlieren. Umzingelt von einer Traube vorwiegend männlicher Gäste tanzte Sienna O‘Reilly auf einem Tisch und war gerade dabei, den Reißverschluss ihrer Bluse zu öffnen.

Energisch schob er sich zwischen den johlenden Männern hindurch, und im selben Moment, als er vorne ankam, fiel Sienna ihm geradewegs entgegen. Er fing sie auf und bemerkte, dass der weiche Satinstoff über ihre Schultern gerutscht war und ein weißer Spitzen-BH hervor blitzte. Hastig zog er seine Kostümjacke aus und wickelte sie darin ein. Dann riss er sich den Bart und die Mütze vom Kopf, ließ beides achtlos auf den Boden fallen.

Ein leises Raunen ging durch die Umstehenden, als sie Gray erkannten.

»Wo sind ihre Schuhe?«, knurrte er einen der Männer an.

Dieser bückte sich und reichte ihm die High Heels, die er Sienna geschickt überstreifte. Da sie sich nicht rührte, hob er sie kurz entschlossen auf seine Arme und warf danach einen zornigen Blick in die Runde.

»Sie sollten sich schämen, die Hilflosigkeit einer betrunkenen Frau derart auszunutzen«, bellte er. »Und damit eines klar ist, ich erwarte, dass Sie sich Miss O‘Reilly gegenüber künftig genauso respektvoll verhalten wie zuvor, verstanden?« Ein betretenes, zustimmendes Murmeln war die Antwort und er nickte grimmig. »Gut. Sollte auch nur einer von Ihnen ein Sterbenswörtchen über diesen Vorfall verlieren, kann er sich umgehend die Papiere abholen.«

2

Irgendetwas rauschte. Der Lautstärke nach zu urteilen, handelte es sich um einen Güterzug. Mit schmerzvoll verzerrtem Gesicht öffnete Sienna die Augen, um sie sofort wieder zu schließen.

Ihr Kopf fühlte sich an, als wäre eine Herde Elefanten darüber getrampelt, und sie hatte einen widerlichen, schalen Geschmack im Mund. Nach ein paar Anläufen gelang es ihr schließlich, so weit zu sich zu kommen, dass sie sich aufrichten konnte.

Blinzelnd schaute sie sich um. Das war nicht ihr Schlafzimmer. Das war auch kein anderes Zimmer ihrer Wohnung. Es sah fast aus wie …

»Ein Hotelzimmer«, murmelte sie irritiert. »Was tue ich in einem Hotelzimmer?«

Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, und sie zog die Decke enger um sich – um sie in der gleichen Sekunde entsetzt anzuheben und darunter zu schauen. Sie war nackt bis auf die Unterwäsche, wie sie bestürzt feststellte.

Leicht benommen ließ sie ihren Blick durchs Zimmer schweifen und sah ihre Bluse und ihren Rock auf einem Stuhl neben dem Bett liegen. Und als wäre das allein nicht schon genug für den schlimmsten Schock ihres Lebens, lag auf dem Boden direkt davor – Santas Kostümjacke.

»Oh mein Gott«, stöhnte sie fassungslos, »ich habe die Nacht mit Santa verbracht.«

Im gleichen Moment wurde ihr bewusst, dass das Rauschen in ihren Ohren nicht von einem Güterzug stammte. Offensichtlich war es das Geräusch der Dusche, welches durch die halb offene Tür des angrenzenden Badezimmers zu ihr drang.

Panik stieg in ihr auf, und sie sprang aus dem Bett, so schnell es ihr schmerzender Kopf zuließ. Sie musste hier weg, bevor Santa aus dem Bad kam. Die Situation war schon grotesk genug, auch ohne dass sie sich noch weiteren Peinlichkeiten aussetzte.

Hastig griff sie nach ihrer Kleidung, zog sie an, schlüpfte in ihre High Heels, und wollte gerade das Zimmer verlassen, als ihr einfiel, dass sie ihre Tasche vergessen hatte. Suchend schaute sie sich um, doch die Clutch war nirgends zu entdecken.

Scheiße, wie soll ich denn jetzt nach Hause kommen, schoss es ihr verzweifelt durch den Kopf.

Da entdeckte sie eine lederne Brieftasche, die zusammen mit einer Armbanduhr auf einem Tischchen lag. Sie zögerte einen Moment, doch irgendwie musste sie ein Taxi bezahlen, also griff sie mit leicht schlechtem Gewissen danach. Während sie die Badezimmertür im Auge behielt, angelte sie in fieberhafter Eile ein paar Geldscheine aus dem Portemonnaie und strebte dann mit schnellen Schritten aus dem Zimmer.

Nach kurzem Suchen fand sie den Fahrstuhl, fuhr hinunter in die Lobby und ließ sich dort vom Portier ein Taxi rufen. Den erstaunten Blicken des Mannes begegnete sie mit einem freundlichen Lächeln. Es war ihr klar, dass sie wie ein Zombie aussah, und sie fühlte sich auch so, doch das war ihr herzlich egal. Sie wollte nur weg hier und das so rasch und unauffällig wie möglich.

Eine halbe Stunde später lag sie in ihrer Wohnung im Bett und fragte sich verstört, was eigentlich passiert war.

Weder wusste sie, wie sie überhaupt in das Hotel gekommen war, noch hatte sie eine Ahnung, was sich dort in dem Zimmer abgespielt hatte. Das Letzte, woran sie sich entsinnen konnte, war, dass sie auf einem der Tische getanzt hatte. Undeutlich sah sie die Gesichter der Männer vor sich, die um sie herumgestanden und sie angefeuert hatten, allen voran Vincent.

Ein schrecklicher Verdacht stieg in ihr auf. War Vincent etwa Santa gewesen? Sie schloss die Augen und versuchte sich ins Gedächtnis zu rufen, ob Vincent während der Geschenkverteilung auf seinem Platz gesessen hatte. Doch sie konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, sie war zu abgelenkt gewesen von dem Geschehen auf der Bühne und – zu betrunken.

»Verdammt«, stieß sie verzweifelt hervor und hieb unglücklich mit der Faust in ihr Kissen, »wie konnte ich nur so bescheuert sein?«

***

Irgendwann am späten Nachmittag kam Sienna wieder zu sich. Nach einer ausgiebigen Dusche schlüpfte sie in einen Jogginganzug und ging hinüber ins Wohnzimmer.

Das kleine Apartment, welches sie mit ihrer Schwester bewohnte, lag im obersten Stock eines Mietshauses in Uptown Milwaukee. Es gab einen großen Wohnraum mit offener Küche, zwei Schlafzimmer und ein Bad. Von außen sah das Haus nicht sonderlich einladend aus, doch sobald man die Wohnung der beiden O‘Reilly-Schwestern betrat, breitete sich sofort ein Gefühl von Wärme und Behaglichkeit aus. Der dunkle Holzfußboden war mit weichen, bunten Teppichen bedeckt, eine breite Couch vor einem gemauerten Kamin lud zum Kuscheln ein. Ein paar Kommoden aus hellem Holz sowie ein langer Esstisch, der die Kochecke vom Wohnbereich abteilte, vervollständigten das Bild. Vor einem bodentiefen Fenster standen etliche Grünpflanzen, und an den weiß getünchten Wänden hingen einige Kunstdrucke von Kandinsky und anderen expressionistischen Malern.

Allison saß auf dem Sofa, hatte ein Buch in der Hand und lernte. »So wie du aussiehst, muss es ja eine tolle Feier gewesen sein«, grinste sie, als sie ihre Schwester sah.

Sienna verzog das Gesicht, holte sich einen Kaffee und ließ sich neben Allison auf die Couch fallen. »Erinner mich bloß nicht daran«, murmelte sie finster.

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Leserstimmen

super bücher.egal was man für ein buch liest,man kann gar nicht mehr aufhören. es ist wie eine sucht.hoffe das noch viele solcher bücher folgen.

— Silke Bauer, amazon.de
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